31. März 2020

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Mandelentzündung


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Die Mandeln lassen sich mit Torwächtern vergleichen. Ihre Aufgabe besteht darin, die auf dem Weg über die Nase oder den Mund eingedrungenen Krankheitserreger abzuwehren und unschädlich zu machen. Diese Auseinandersetzung der Mandeln mit den Eindringlingen verläuft nicht spurlos. Es kommt zu einer lebhaften Gewebsreaktíon, wobei jene Zellen, die sich an der Abwehr beteiligen, zu wuchern beginnen. Demzufolge schwellen die Mandeln an und röten sich; es entwickelt sich eine Entzündung. Auf diese Weise versucht der Organismus, eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern. So wird begreiflich, weshalb die meisten Infektionskrankheiten des Hundes - wie Staupe, Stuttgarter Hundeseuche oder ansteckende Leberentzündung - mit einer Mandelentzündung verbunden sind.
Aber auch „gewöhnliche“ Schmutz- und Eitererreger vermögen unter gewissen Voraussetzungen eine Entzündung der Mandeln zu verursachen. Dazu gehören in erster Linie Erkältungen infolge Nässe, Luftzug, Überhitzung, Unterkühlung und andere Faktoren, die zu einer Schwächung der Widerstandskraft des Körpers führen. Besonders in der Winterzeit sind viele Hunde von einer Mandelentzündung betroffen, da ihre Besitzer die Aufnahme von kaltem Wasser oder Schnee nicht verhindern.
Unterscheiden müssen wir zwischen einer akuten und einer chronischen Mandelentzündung. Die akute Entzündung setzt in der Regel mit hohem Fieber, Mattigkeit und Appetitlosigkeit ein. Durch die Schwellung der Mandeln ergeben sich Schwierigkeiten beim Abschlucken des Futters. Auch häufiges Gähnen, Husten und Atembeschwerden lassen sich beobachten. Gesunde Mandeln sind, da sie unter einer Schleimhautfalte liegen, nach dem Öffnen des Fanges kaum sichtbar. Im entzündeten Zustand ragen sie mehr oder weniger weit aus ihren Taschen hervor, sind stark gerötet und manchmal mit weißem Schleim bedeckt.
Bei der chronischen Entzündung sind die Krankheitserscheinungen weniger ausgeprägt. Sie äußern sich in mangelnder Fresslust, mitunter auch in Schluckbeschwerden und leichtem Fieber. Als Komplikationen können sich bei einer länger bestehenden Mandelentzündung Gelenkrheumatismus sowie Herz- und Nierenerkrankungen einstellen. Sie werden durch eine ständige Besiedlung der Mandeln mit Bakterien verursacht, die kleine Eiterherde bilden und die von hier aus mit dem Blut in die verschiedenen Organe geschwemmt werden. An Zahnerkrankungen ist dabei auch immer zu denken. Damit verfehlen die Mandeln ihren Zweck; sie werden zu einer gefährlichen Infektionsquelle. In einem solchen Fall wird der Tierarzt die operative Entfernung der Mandeln in Erwägung ziehen.
Bei einer akuten Mandelentzündung muss eine tierärztliche Behandlung unbedingt eingeleitet werden, um auch die Ursache auszuschalten. Meist lässt sich hierdurch eine baldige Besserung erzielen. Bei Junghunden wird man zu Beginn der Krankheit an eine Staupe-Infektion denken müssen. Wichtig ist eine leicht abschluckbare, einschleimende Kost in Form von Suppen sowie Brei. Zum Trinken erhält der Hund lauwarmen Kamillentee, keineswegs aber kaltes Wasser.